Roheen R. F. wagte im Jahr 2021 einen mutigen Schritt: Er verließ Afghanistan und startete in Deutschland neu. Trotz seines abgeschlossenen Studiums im Bereich Bauingenieurwesen musste er schnell feststellen, dass Fachwissen allein nicht ausreicht, denn die Sprachbarriere stand ihm zunächst im Weg. Doch Roheen gab nicht auf. Mit Disziplin und Ehrgeiz erwarb er Deutschkenntnisse bis zum B1 Niveau und suchte sich Mitte 2024 Unterstützung bei einem Angebot des IQ Netzwerk Sachsen Anhalt.
Er landete mit seinem Anliegen beim Teilvorhaben des Bildungswerks der Wirtschaft Sachsen Anhalt. Ursprünglich wollte er den Ingenieurtitel beantragen. Doch schon im ersten Beratungsgespräch zeigte sich: Wichtiger war es zunächst, aussagekräftige Bewerbungsunterlagen zu erstellen und erste Kontakte zu Arbeitgebern zu knüpfen. Seine Zeugnisbewertung und die Übersetzung seines Bachelorabschlusses hatte er nämlich bereits in der Tasche.
Während Roheen noch den B2 Sprachkurs absolvierte, suchte er gemeinsam mit dem Team der BWSA gGmbH intensiv nach einem Praktikumsplatz, um Berufserfahrung zu sammeln, sich einem Unternehmen vorzustellen und herauszufinden, in welchen Bereichen er sich noch weiterbilden müsste. Das war eine echte Herausforderung für ihn und das Team, denn viele Unternehmen zögerten aufgrund seiner noch ausbaufähigen Sprachkenntnisse. Zudem lebte Roheen in Haldensleben, hatte keinen Führerschein und war dadurch bei der Jobsuche weniger flexibel.
Schließlich brachte der September 2024 die Wende. Ein deutschlandweit tätiger Bauträger wurde auf Roheen aufmerksam, lud ihn zum Bewerbungsgespräch ein und war von seinem Engagement und Fachwissen so beeindruckt, dass er ihm direkt einen Arbeitsvertrag anbot. Arbeitsbeginn war im April 2025.
Inzwischen ist Roheen bereits ein halbes Jahr im Unternehmen tätig. Jeden Morgen steht er um 3.30 Uhr auf, um pünktlich um 7.00 Uhr auf der Baustelle zu sein, und kehrt abends gegen 19.00 Uhr nach Hause zurück. Seine Tage sind lang und fordernd, doch Roheen ist zufrieden und glücklich. Endlich kann er zeigen, was in ihm steckt, wertvolle Berufserfahrung sammeln und seine Fähigkeiten weiterentwickeln.
Besonders schätzt er das Team und den respektvollen Umgang mit seinem Polier, der ihm jede Aufgabe gewissenhaft erklärt und Geduld beweist, falls es einmal länger dauert. Als nächstes Ziel nimmt Roheen den Führerschein in Angriff, um unabhängiger und mobiler zu werden, denn der lange Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln kostet ihn täglich viele Stunden.
Die Beantragung des Ingenieurtitels muss vorerst noch warten, denn aktuell zählt für ihn vor allem, praktische Erfahrung zu sammeln und in seinem Beruf anzukommen. Zu seiner ehemaligen Beraterin beim BWSA hält er weiterhin losen Kontakt und berichtet freudig von seinen positiven Erfahrungen bei der Integration in einem deutschen Bauunternehmen.

