Ich komme aus Georgien. Seit 2011 lebe ich in Deutschland. Wenn ich zurückblicke, sehe ich keinen geraden Weg. Ich sehe Zweifel, schlaflose Nächte und Neuanfänge. Genau darin liegt meine Erfolgsgeschichte.
In Tiflis habe ich Politik- und Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Journalistik studiert, dazu Germanistik. Schreiben war früh meine Leidenschaft. Mein Bachelorabschluss war mit Auszeichnung, ich hatte klare Ziele. Mit 21 kam ich nach Deutschland, um meinen Master zu machen. Ich ließ Familie, Freunde und ein vertrautes Leben zurück - freiwillig und voller Hoffnung.
Hier begann alles bei null. Viele wussten nicht einmal, wo Georgien liegt. Mein Abschluss sagte niemandem etwas. Wissenschaftliche Texte brachten selbst Muttersprachler ins Schwitzen. Ich saß nachts über Seiten, rang um jedes Verständnis. Gleichzeitig musste ich lernen kulturelle Unterschiede auszuhalten. Freundschaften funktionierten anders. Erwartungen prallten aufeinander. Ich nahm durch Stress zu und zweifelte an mir.
Aufgeben war trotzdem keine Option. Ich wollte nicht zwischen zwei Welten stehen. Ich wollte beides sein: Georgierin und Teil dieser Gesellschaft.
2015 schloss ich meinen Master in Sozialwissenschaften ab. In meiner Arbeit zur Integration von jungen Migranten erkannte ich: Das ist mein Thema. Ich wusste, wie sich Neustart anfühlt. Heute arbeite ich beim Jugendmigrationsdienst. Zusätzlich engagiere ich mich als Vorsitzende des Beirats für Integration und Migration in Magdeburg, setze mich für Demokratie ein und bin Teil des Bündnisses "Partnerschaft für Demokratie".
Mein größter Erfolg ist nicht ein Titel. Es ist das Gefühl, in zwei Ländern zu Hause zu sein. In Georgien bin ich die Gleiche geblieben. In Deutschland bin ich angekommen. Ich habe gelernt, nicht entweder oder zu sein, sondern beides. Ich habe mir meinen Platz erarbeitet.
Foto: Jana Dünnhaupt / Uni Magdeburg
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