Ich lebe seit 2022 in Deutschland. In diesen Tagen jährt sich meine Flucht aus der Ukraine und ich merke, wie mich dieser Moment still werden lässt. Ich denke zurück an das, was ich zurückgelassen habe und an das, was ich mir hier neu aufgebaut habe.

Als ich ankam, hatte ich ein klares Ziel: Ich wollte wieder als Apothekerin arbeiten. Es war mehr als ein Beruf für mich, es war ein Teil meiner Identität. Doch der Weg dorthin war lang, voller Formulare, Prüfungen und Zweifel. Oft wusste ich nicht, ob ich es schaffen würde. Aber ich bin drangeblieben. Heute arbeite ich in der Adler- und Ratsapotheke in Quedlinburg und manchmal halte ich inne und kann es selbst kaum glauben.

Unsere ersten Tage in Deutschland verbrachten wir im Harz. Eine deutsche Familie nahm uns auf, einfach so, mit einer Herzlichkeit, die ich nie vergessen werde. Sie gaben uns nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern zeigten uns auch, wie das Leben hier funktioniert. Aus Fremden wurden Freunde und aus Unsicherheit wurde Vertrauen.

Während ich auf die Anerkennung meines Abschlusses wartete, arbeitete ich bereits als Assistentin in der Apotheke, in der ich heute fest angestellt bin. Gleichzeitig machte ich Sprachkurse, Weiterbildungen und meinen Führerschein. Es gab kaum Pausen. Und doch musste ich auch für meine Kinder da sein und ihnen Halt geben.

Ich habe gelernt, wie wertvoll ein gutes Leben ist, und versuche, auch in schwierigen Momenten ruhig zu bleiben. Meine Kollegen sagen, dass sie genau das an mir schätzen.
Und dann sind da meine Kinder. Sie geben mir Kraft und halten mich in Bewegung. Sie haben hier Freunde gefunden und lachen wieder unbeschwert. Jetzt wünsche ich mir vor allem eines: Zeit mit ihnen. Ankommen heißt für mich heute, wieder gemeinsam zu leben.


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